Der ganz normale Wahnsinn
kireseth 06. Dezember 2009
Was zu den negativen Seiten des Schauspielerberufs gehört sind die Vorsprechen, die nicht klappen. Als Privatschüler ist es ohnehin schwierig, Vorsprechen zu bekommen, und wenn die dann auch noch zu keinem Engagement führen, kann man schnell frustriert werden. Zumindest was den ersten Punkt betrifft, kann ich ganz zufrieden sein. Ich bin Februar bis Mai diesen Jahrs schon zu recht vielen Vorsprechen eingeladen worden. Die von mir bei den Theatern ausgelösten Reaktionen waren dann aber doch sehr …"speziell".
So gab es Theater, die mich wohl richtig furchtbar gefunden haben müssen. So habe ich nach recht nettem Vorgeplänkel in einem Haus schon nach der ersten Rolle gemerkt: das gefällt überhaupt nicht. Als nach meinem Lied als Abschluss (das Lied ist eigentlich etwas komisch) dann tatsächlich etwas gelacht wurde, war es -glaube ich- eher ein erleichtertes Aufatmen, Gott sei Dank ist es vorbei! - so wie im Theater nach einem Schuss oder ähnlich entsetzlichem Geschehen das Publikum immer auflacht…
In einem anderen Haus sagte man mir anschließend direkt, dass es nicht gefallen hätte - mit so etwas kann man -finde ich- dann auch besser umgehen, es muss ja auch nicht allen gefallen. Witzig war dann aber die Frage, ob die zweite gezeigte Rolle auf der Schauspielschule gearbeitet worden sei. Auf mein Ja, stöhnte man auf und sagte, man hätte so gehofft, dass ich mir das privat ausgedacht hätte, weil man ja schließlich im stillen Kämmerlein auf komische Ideen und Gedanken kommen könnte. Und man empfahl mir, diese Rolle bitte nicht mehr zu zeigen, sie wäre zu furchtbar. Auf meine Bemerkung, dass ich an anderen Häusern wegen genau dieser Rolle engagiert worden sei, kam ungläubiges Kopfschütteln. In so einem Fall fährt man doch glücklich nach Hause und weiß nicht nur, dass die Leitung einen selbst doof fand, sondern man weiß auch, dass man zu so einem Haus gar nicht passt bzw. dort gern gespielt hätte
Es gab aber Gott sei Dank! auch von anderen Theatern positives Feedback und Lob, sonst würde ich mich jetzt wohl langsam um einen Referendarplatz kümmern… Sehr schön war das Telefonat mit einem Schauspieldirektor, der mir sagte, dass er mich leider nicht engagieren KÖNNE. Sie hätten lange nachgedacht und diskutiert, aber das Ensemble sei so klein und ich vom Typ her so speziell, dass sie sich mich einfach nicht leisten könnten. Weiter sagte er, er könne auch gar nichts weiter zur Begründung vorbringen, weil ihnen das Spiel sehr gut gefallen hätte (übrigens auch die vorher so zerissene Rolle, die ich unsicher erst aus meinem Programm rausgenommen und dann auf Nachfragen doch noch gezeigt hatte) - er könne somit nur sagen, ich hätte halt ein Allerweltsgesicht haben müssen…
Geklappt hat es schließlich in Frankfurt. Ab der nächsten Spielzeit werde ich in Fräulein Smillas Gespür für Schnee in der Katakombe auf der Bühne in verschiedenen Rollen zu sehen sein. Und damit nach fünf Monaten und rund 50 weiteren Vorstellungen mit "Erste Stunde" in diesem Jahr endlich mal wieder etwas neues erarbeiten. Mal sehen, wie lange dies Stück laufen wird. Eines ist sicher: irgendwann kommt jedenfalls wieder der Moment, in dem man seine Unterlagen wieder verschickt, in Deutschland wieder herumreist und der ganze Wahnsinn wieder von vorne beginnt